Hinter der Tür

Eine weite Reise aus dem Osten hatte dieser Mann hinter sich und stand endlich vor der Tür, nach der er schon lange gesucht hatte. Ein Licht führte ihn hierher, dem er im Vertrauen gefolgt war. Es war warm und strahlte eine tiefe Geborgenheit aus, hinter der Tür vermutete er die Quelle der Strahlen, deren Intensität mit jedem Tag seiner beschwerlichen und anstrengenden Reise zunahm, denn er verließ seine Gefilde und brach vieles ab, und auch die Straßen und Wege gaben das ihrige dazu. So kam er denn auch müde und beladen, im Ganzen noch passabel, an der Tür, durch die er hindurch zu gehen gedachte, an, voller Bewunderung und Liebe für das Licht, das alles Vergangene und Verwundete vergessen und auch die Strapazen der Reise als eine Notwendigkeit für die nahe seelische wie körperliche Erquickung erscheinen ließ. Denn die Vitalität spürte er deutlich und auch das wiedergekehrte Leben, worüber er sich lange wunderte. Und freute. So trat er vor die Tür. Und erst bei näherer Betrachtung erkannte der Mann viele blinkende Elemente und eindeutige Warnzeichen, die zuvor von dem einen Licht überstrahlt wurden, dass es kein Zurück, dass hinter der Türe eine Bruchkante zu finden wäre, die zwar passiert, aber nicht umkehrend erklommen werden könne. Lange, sehr lange stand der Mann unschlüssig vor der Tür, mit geschlossenen Augen. Mit gesenktem Kopf heftig atmend. Dann endlich trat er, die Tür öffnend, einen Schritt vor, öffnete seine Augen. Doch Dunkelheit umgab ihn, er hatte das Gefühl zu fallen, er suchte in zunehmender Verzweiflung die Quelle, den Ursprung der Glanzstrahlen, denen ganz nah zu sein er sich erhaben und erfüllend vorgestellt hatte. Doch es war kein Licht mehr da. Der Aufprall war hart und schmerzte unendlich. Nach einer ewig langen Zeit kam er wieder zu sich. Er fühlte eine verbrannte Erde unter sich, wie sie im Osten oft vorkommt, denn er konnte nichts sehen, erst allmählich meinte er am Himmel einen weit entfernten, schwach strahlenden Stern auszumachen. Auch fühlte er in sich, ohne es sich recht erklären zu können, noch den Glauben an dieses Glimmen in der Ferne. Er erhob sich schwerfällig und betrachtete den Stern. Er lächelte. Und machte sich auf den Weg…